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Was haben Sie seit 2009 unternommen, um die Inklusion in Lübeck voranzubringen? (sofern Voraussetzung gegeben)
Die GAL besteht als Fraktion in der Bürgerschaft erst seit April 2016. Unsere Mitglieder in der Bürgerschaft sowie in den Ausschüssen haben sich seither (und in der Regel auch schon vorher) für die Schaffung von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum ebenso stark gemacht wie für eine barrierefreie Mobilität sowohl im ÖPNV als auch in der Gestaltung von Gehwegen und öffentlichen Gebäuden. Wir haben im Juni 2017 als GAL-Fraktion gemeinsam mit der SPD und BfL die Schaffung eines Beirates für Menschen mit Behinderungen in der Bürgerschaft beantragt und beschlossen. Auf unsere Nachfrage im März hieß es, die Satzung sei auf dem Weg der Erarbeitung, jedoch nicht vor Juni fertig.

Was möchten Sie in der kommenden Wahlperiode bis 2023 erreichen?
Wir setzen uns für Maßnahmen ein, die das Recht auf Inklusion fördern. Durch bewusste Integration und Inklusion von Anfang an wollen wir allen Formen von Rassismus und Diskriminierung entgegenwirken. Dazu gehören zum einen behindertengerechte Gebäude und Mobilität. Während in Kitas Inklusion bereits gelingt, scheitert der Anspruch in Schulen häufig an baulichen Barrieren und einer zu geringen personellen Ausstattung. Schulbegleitung durch Inklusionshelferinnen (I-Pool) verbessert zwar die Situation während des Unterrichts im Rahmen von Inklusion. Jedoch werden in vielen Schulen weniger Inklusionshelferstunden bewilligt als beantragt. So bleibt insbesondere in der Nachmittagsbetreuung Inklusion vielfach auf der Strecke. Wir unterstützten deshalb den Erhalt und die Wahrnehmung eines individuellen Rechts auf Schulbegleitung, da wo es notwendig ist.
Die GAL setzt sich ein für die Erstellung eines Integrations-/Inklusionswegweisers mit Informationenüber Rechte und Angebote für Eltern (analog zum Familienwegweiser). Wir wollen Beratungsangebote und Coaching für Eltern, in Schulen und Kitas – und natürlich flächendeckende Angebote für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Unser Programm fordert einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung in Kitas für Kinder mit besonderem Förderbedarf, sowie eine flächendeckende Umsetzung von Inklusion bei der Nachmittagsbetreuung an Schulen.
 
Findet sich das Thema Inklusion in Ihrem Wahlprogramm und ist dieses barrierefrei?
Ja – das Kommunalwahlprogramm der GAL enthält einen eigenen Abschnitt zur Inklusion. Inhaltlich haben wir das an das Thema Kinderbetreuung insbesondere in den Schulen angebunden. Dazu kommen Forderungen nach Barrierefreiheit sowohl im Wohnungsbau als auch im ÖPNV-Angebot.
Nein – das Kommunalwahlprogramm der GAL ist leider nicht barrierefrei. In der vorbereitenden Diskussion fanden wir es völlig selbstverständlich, das Programm in einfacher Sprache zu veröffentlichen. Wir sind dann aber so in Zeitverzug geraten, dass wir das nicht mehr umsetzen konnten.
 
Können Sie sich vorstellen, Inklusion auch mit Bürgerbeteiligung zu gestalten?
Eigentlich gilt für die GAL genau das Gegenteil. Wir können uns nicht vorstellen, wie Inklusion ohne Bürgerinnenbeteiligung gestaltet werden soll oder funktionieren kann, wenn das Thema ernstgenommen wird. Inklusion wird nicht gewährt sondern ist ein Menschenrecht. Die Bürgerschaft hat (auch mit den Stimmen der GAL-Fraktion) die Einrichtung eines Beirats für Menschen mit Behinderung beschlossen. Dieser Beschluss
muss nach der Kommunalwahl zügig umgesetzt werden. Aber ein neues Gremium, das den jetzigen Beauftragten für Menschen mit Behinderung
unterstützt und seine Arbeit ergänzt, ersetzt noch nicht Bürgerinnenbeteiligung – sondern hat eher die Aufgabe, sich hartnäckig darum zu  kümmern, dass Bürgerinnenbeteiligung bei allen Fragen der Ausgestaltung und Umsetzung von Inklusion stattfindet.
 
Was könnte in Lübeck bis zum 900-jährigen Jubiläum erreicht werden?
25 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich vieles umsetzen lässt. Lübeck könnte zu einer weitgehend barrierefreien Stadt werden, in der Inklusion
in allen Lebensbereichen von allen Bürgerinnen ganz selbstverständlich gelebt wird. Aber ganz unabhängig davon, ob wir das für eine Vision oder eine Träumerei halten – die Wirklichkeit hat sich noch immer als zäh und beharrlich
erwiesen – es führt kein Weg daran vorbei, sich Schrittchen für Schrittchen in diese Richtung zu bewegen.
 
Um die öffentliche Daseinsvorsorge sicherzustellen, arbeiten viele Ehrenamtliche über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Was werden Sie unternehmen, um Ehrenamtler zu entlasten?
Im Bereich des Sozialen hat ehrenamtliche Tätigkeit schon immer eine wesentliche Rolle gespielt, von der beide Seiten profitieren. Sie gibt
Menschen sinnvolle Betätigungsmöglichkeiten – und sie leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenleben der Gesellschaft.
Ehrenamt darf aber nicht als günstige Sparvatiante für das Hauptamt missbraucht werden - ehrenamtliche Tätigkeit ersetzt keine professionelle
Arbeit und ihre Unterstützung darf kein Mittel einer falsch verstandenen Sparpolitik sein oder werden. Damit Ehrenamtliche nicht über ihre
Belastungsgrenzen hinaus gehen und auch Ehrenamtliche erkennen können, wo die inhaltlichen Grenzen ihres Ehrenamtes erreicht sind und Hauptamt notwendig wird, bedarf Ehrenamt einer Ausbildung, Anleitung, Weiterbildung
und Begleitung durch das Hauptamt als Unterstützung. Eine Möglichkeit, dies sicher zu stellen, ist z.B. In Lübeck durch die
Freiwilligenagentur ePunkt – deshalb setzt sich die GAL für die Unterstützung und Stärkung der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt ein. Zusätzlich will die GAL will wieder einen städtischen Unterstützungsfonds für ehrenamtliche Arbeit
einführen. Über diese Wege wird ein Schutz für die Ehrenamtlichen geschaffen, dass diese nicht über ihre Belastungsgrenzen hinaus tätig werden.