Die Partei

Was haben Sie seit 2009 unternommen, um die Inklusion in Lübeck voranzubringen?
Wir haben sie nicht behindert, und wir haben jegliche Aktivitäten unterlassen, die  Behinderung oder Ausgrenzung von Menschen in unserer Stadt vorangetrieben hätten. Vielmehr erheben wir für benachteiligte und ausgegrenzte Menschen unsere Stimme, nicht zuletzt, da wir uns selbst im politischen Betrieb dieser Stadt vielfach ausgegrenzt fühlen – wir wissen, wovon Sie sprechen!

Was möchten Sie in der kommenden Wahlperiode bis 2023 erreichen?
Mit unserem Vorschlag zu einer Schwarzfahrtfreien Zone für die Innenstadt (=frei Schwarzfahren für alle) wollen wir die etablierten Partien und die Verwaltung vor uns hertreiben: Kostenloser ÖPNV im Kernbereich der Stadt schont nicht nur die Umwelt durch weniger Pkw-Verkehr, sondern schafft auch Platz für alle Menschen, die sonst an den Rand gedrängt werden. Selbstverständlich müssen die Taktzeiten der Busse verkürzt werden, damit alle zum Ziel kommen. „Zum Ziel kommen“ aber heißt zumeist: wirtschaftlichen Aktivitäten nachgehen, Einkaufen, Dienstleistungen wahrnehmen, Freunde besuchen, denen man Geschenke mitbringt. Und so wird ganz nach neoliberaler Manier Steueraufkommen generiert und der Aufwand für den Nahverkehr refinanziert.
Dieselbe Wirkung geht vom freien WLAN aus, wie wir es fordern. So wollen wir erreichen, dass etablierte Politik und Verwaltung das einsehen und mit uns in den Umstieg einsteigen. So kommen Menschen und Waren besser zueinander!
 
Findet sich das Thema Inklusion in Ihrem Wahlprogramm und ist dieses barrierefrei?
Leider war unser Wahlprogramm so klein geschrieben, dass wir es selbst kaum lesen konnten. Aber mit dieser Selbstbehinderung schaffen wir die erforderliche Sensibilisierung für das Thema. Da wir ja alle ein Bisschen bluna sind, weisen unsere Forderungen nach Digitalisierung der Verwaltung, Förderung des bezahlbarem Wohnraum, freiem WLAN und ÖPNV im Innenstadtbereich weit über die klassischen Inklusionsmaßnahmen wie abgesenkte Bordsteine oder aufbauende Ausweishüllen hinaus. Inklusion an sich ist barrierefrei. Unser Wahlprogramm ist eine Barriere gegen die Behinderung von Menschen - wenn man nur genügend Exemplare aufeinander stapelt.
 
Können Sie sich vorstellen Inklusion mit Bürgerbeteiligung zu gestalten?
Ja, unbedingt, alles andere wäre ein Paradoxon. Bei Inklusion geht es  auch um Würde, und den Weg dorthin können nur die bislang Entwürdigten weisen. Wir stehen mit unserem Wirken hinter Menschen wie Hannah „Schwer-in-Ordnung“ und werden Aktionen wie diese jederzeit starten oder fördern, sobald die Betroffenen an uns herantreten.

Was könnte in Lübeck bis zum 900-jährigen Jubiläum erreicht werden?
Beim 900-jährigen sind wir nur noch 100 Jahre vom 1000-jährigen entfernt, Da muss schon was erschaffen sein! Die Stadt Lübeck sollte ihren Ruf als Vorreiterin bei der Verkehrsberuhigung (=Klimaschutz) zurückgewinnen  – keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr im Stadtgebiet. Schon heute arbeiten Tiefbauwirtschaft und Verwaltung daran, dass kaum noch etwas geht auf Lübecks Straßen. So kapieren es auch die Bürgerinnen und Bürger bald und steigen um von 2-Tonnen-Aktenkoffertransportern mit Abgasgenerator auf Fahrräder,  selbstfahrende Busse, Taxis oder gehen gleich zu Fuß. Ohne Abgas und Lärm erleben sie das, als seien sie in einem Luftkurort.

Um die öffentliche Daseinsvorsorge sicherzustellen, arbeiten viele Ehrenamtliche bis über ihre Grenzen hinaus. Was werden Sie unternehmen, um Ehrenamtler zu entlasten?
Ehrenamtler müssen endlich die Ehre empfangen, die ihnen gebührt. Wenn Sie zu regelmäßigen Ehrungen geladen werden, findet schon mal eine Entlastung vom Ehrenamt statt. Wir stehen jederzeit bereit, um diese Ehrungen durchzuführen - als Überraschungsakt der Freundlichkeit.
Auch setzen wir uns für eine auskömmlich ausgestattete öffentliche Daseinsfürsorge ein, so dass die ehrenamtlich Tätigen ihr Wirken auch als Ehre empfinden können (zusätzlicher Dienst am Menschen) und ihr Amt mit der nötigen Muße ausüben können.